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Missverstände bei Hundebegegnungen vermeiden

Hund sitzt neben Frau an einem See

Wenn sich zwei fremde Hunde begegnen, ist das mitunter eine heikle Angelegenheit. Schließlich können die Halter nur schwer einschätzen, ob sich ihre Vierbeiner miteinander vertragen oder es möglicherweise plötzlich zu einer Auseinandersetzung kommt.

Ob man den beiden Hunden die Gelegenheit geben sollte, sich in aller Ruhe kennenzulernen, lässt sich nicht pauschal sagen. Denn dabei kommt es insbesondere auf das Wesen der Vierbeiner sowie ihr grundsätzliches Verhalten gegenüber Artgenossen an.

Als Halter kennen Sie zwar Ihren eigenen Hund sehr gut. Der Charakter des fremden Vierbeiners ist Ihnen jedoch unbekannt. Im Folgenden möchten wir Ihnen daher einige Tipps geben, um Probleme und Missverständnisse bei Hundebegegnungen zu vermeiden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine gute Sozialisierung und frühzeitiges Training helfen dabei, Probleme bei Begegnungen mit anderen Hunden zu vermeiden.

  • Hundebegegnungen an der Leine führen besonders häufig zu Missverständnissen.

  • Junge und schwache Tiere müssen bei Bedarf vor Konfrontationen mit überlegenen Artgenossen geschützt werden.

  • Halter sollten sich mit der Körpersprache ihres Hundes beschäftigen, sodass bevorstehende Auseinandersetzungen rechtzeitig verhindert werden können.

  • Wenn zwei Hunde bei einer Begegnung in Streit geraten, ist es wichtig, dass ihre Besitzer die Ruhe bewahren.

  • Einmischungen durch die Halter können die Situation zusätzlich verschärfen und sollten daher mit Bedacht erfolgen.

  • Meist verlaufen Streitereien zwischen zwei Hunden harmloser als sie aussehen.

Hundebegegnungen frühzeitig trainieren

Begegnungen mit anderen Hunden sind für die Entwicklung Ihres Vierbeiners unverzichtbar und sollten daher bereits von Anfang an regelmäßig stattfinden. Allerdings ist es wichtig, dass Sie über die Art und den Zeitpunkt des Aufeinandertreffens bestimmen.

Zu diesem Zweck ist es erforderlich, dass Ihr Vierbeiner eine feste Bindung zu Ihnen aufbaut und Sie als Partner sowie als Führungsperson begreift. Indem Sie Ihren jungen Hund mit einem spannenden Spielzeug ablenken, können sie üben, entspannt an anderen Hunden vorbeizulaufen.

Sorgen Sie zudem durch konsequentes Training dafür, dass Ihr Hund wichtige Kommandos wie “Stopp” oder “Komm” verinnerlicht, um ihn in Gefahrensituationen leichter abrufen zu können. Darüber hinaus sollte Ihr Vierbeiner lernen, dass er Sie nicht zu anderen Hunden hinziehen darf und er bei Hundebegegnungen stets Ihre Freigabe zum Spielen abwarten muss.

Hundebegegnungen an der Leine sind nicht zu empfehlen

Sehr oft lässt sich beobachten, dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner direkt anleinen oder am Halsband festhalten, sobald sich ein fremder Artgenosse nähert. In der Praxis führt das jedoch nicht selten zu Problemen,

Denn die Leine, beziehungsweise das Festhalten sorgt dafür, dass sich die Vierbeiner eingeschränkt fühlen und sich nicht richtig begrüßen und beschnuppern können. Obwohl das Anleinen auf den ersten Blick als sinnvolle Vorsichtsmaßnahme bei Hundebegegnungen erscheint, erhöht sich dadurch in der Realität das Risiko für Missverständnisse deutlich.

Es besteht kein genereller Welpenschutz

Entgegen der weit verbreiteten Meinung besteht bei Hunden kein genereller Welpenschutz. Dieser beschränkt sich lediglich auf den eigenen Nachwuchs. Für fremde Jungtiere gilt er jedoch nicht. Spätestens wenn ein junger Vierbeiner die Geschlechtsreife erreicht, gilt er für Artgenossen als potenzieller Gegner, auf den bei Kämpfen keine Rücksicht genommen wird.

Aus diesem Grund ist es ratsam, junge Hunde vor möglichen Konfrontationen mit deutlich stärkeren Vierbeinern zu schützen. Das gilt auch für kranke und altersschwache Hunde.

Halter müssen die Körpersprache ihres Hundes verstehen

Als Halter wissen Sie vermutlich, dass Hunde zu einem großen Teil über ihre Körpersprache kommunizieren. Je besser Sie diese verstehen, desto leichter können Sie das Verhalten Ihres Vierbeiners deuten.

Das ermöglicht es Ihnen, brenzlige Situationen rechtzeitig zu erkennen und bei Bedarf einzugreifen, sodass Sie eine kurz bevorstehende körperliche Auseinandersetzung bei der Begegnung mit einem anderen Hund verhindern können.

Bei Hundebegegnungen Ruhe bewahren

Neben dem Verhalten der Hunde selbst spielt auch das Verhalten der Besitzer für das Gelingen von Hundebegegnungen eine große Rolle. Bewahren Sie daher die Ruhe, um die Situation nicht zusätzlich aufzuheizen. Verzichten Sie auch dann darauf zu schreien, wenn zwei Hunde in eine körperliche Auseinandersetzung geraten.

Zudem ist es in der Regel keine gute Idee, sich in den Streit einzumischen. Denn das kann mitunter dazu führen, dass Ihr Vierbeiner denkt, dass er Sie verteidigen muss und dadurch sogar noch aggressiver wird.

In den meisten Fällen sind Hunde dazu in der Lage, ihre Meinungsverschiedenheiten selbstständig zu klären. Auch wenn es dabei durchaus mal etwas laut und wild zugehen kann, sind ernste Beißereien normalerweise die Ausnahme.

Kämpfende Hunde gefahrlos trennen

Wenn zwei Hunde miteinander kämpfen, machen sie zwischendurch Pausen. Diese können dazu genutzt werden, die Tiere abzulenken und so den Streit zu beenden. Sofern griffbereit können dabei zum Beispiel das Wasser aus einem Gartenschlauch oder ein aufgespannter Regenschirm, der zwischen die Streithähne geworfen wird, helfen.

Um die kämpfenden Hunde erfolgreich voneinander zu trennen, ist es jedoch wichtig, dass beide Hundehalter dazu beitragen und sich jeweils um ihren Vierbeiner kümmern.

Wann Hundekämpfe wirklich gefährlich werden

Eine wirkliche Gefahr besteht in der Regel erst, wenn der überlegene Hund seinen unterlegenen Artgenossen unterworfen hat und sich dann in dessen Nacken festbeißt. Denn dabei kann es schlimmstenfalls zu einem tödlichen Genickbruch kommen.

Sofern einer der betroffenen Halter über ausreichend Kraft und Erfahrung verfügt, kann er versuchen, den Hals des überlegenen Vierbeiners zu packen und die Luftröhre auf beiden Seiten zusammenzupressen. Sobald der Hund seinen Gegner loslässt, muss er am Halsband gepackt und weggezogen werden.

Wenn sich zwei Hunde ineinander festgebissen haben, kann versucht werden, diese zu zweit zu trennen. Dabei fassen beide Halter die Hinterbeine ihres Hundes etwa auf Kniehöhe. Zeitgleich und schnell schieben sie nun die Hunde nach vorn kräftig nach vorn, sodass die Hunde ineinander geschoben werden. Dieses Überrumpeln sorgt dafür, dass die meisten Hunde ihren Gegner kurz loslassen. Diesen Moment gilt es auszunutzen und die Hunde genauso schnell auseinander zu ziehen.

Petplan Siegel

Geprüft und überarbeitet durch:  MANUELA VOGT

Manuela Vogt ist gelernte Tierpflegerin, Tierverhaltensberaterin und hat viele Jahre in Tierheimen gearbeitet. Sie lebt mit ihrer Familie, Hunden, Katze und Kaninchen in Norddeutschland.